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Über die Heraldik.....

eine kurze Zusammenfassung von
Karsten Sander, MdH zu Berlin

Für jeden Ritter unerlässlich - das Thema Heraldik. Um es aber vorweg zu sagen das Thema ist ziemlich umfangreich und füllt ganze Bücher. Ich will hier nur einen kleinen Überblick verschaffen.
Die zusammengefassten Grundsätze, welche in der Berliner Erklärung nachzulesen sind, habe ich hier ebenfalls eingestellt --> 

Ich werde mich hier erstmal auf die Einzelheiten nur für den Schild selber beschränken.
Ach ja - auch damals wie heute gibt es gute und weniger gut Heraldiker. Das heißt nicht immer haben alle sich an das gehalten was Sinn macht. Ein Beispiel habe ich unten angeführt.

Grundsätzliches :

Um einen Schild richtig zu gestalten sollte man vorab folgendes Wissen:

1. In welcher Zeit, und wo ist der Schild verwendet worden ? Die Schildformen haben sich im laufe der Jahun
derte sehr verändert.Der wohl gebräuchlichste im Mittelalter war der Normannenschild auch als Mandelschild bezeichnet oder sein Nachfolger mit zum Schildhaupt hin grader Form.

2. Der Schild diente nicht nur zum Schutz gegen Waffen verschiedenster Arten sondern war auch äußerst wichtig zur Kenntlichmachung der Ritter in Rüstung. Mit zunehmender Panzerung und den geschlossenen Helmen war nicht mehr zu erkennen wer unter der Rüstung “steckt”. Folglich brachte man Zeichen und Farben auf dem Schild an um sich gegenseitig zu erkennen. Hierzu muß der Schild auf große Entfernung unterscheidbar sein. Farben waren begrenzt und damit ergeben sich dann folgende Notwendigkeiten :

Schildteilungen:
Die Grundteilungen von Schilden ( !! nicht Schildern - die gibt´s nur auf der Strasse !!) sind ebenfalls vielfältig. Man spricht hier von “gespalten”(von oben nach unten) “geteilt” von rechts nach links, “geviert” ( also gespalten und geteilt), “schräggeteilt” usw, usw...Die Grundformen sind leicht, und vorallem auch von weitem, erkennbar. Um aber diese “Trennungen im Schild deutlich sichtbar zu gestalten sollte man sich an die “Farbregel” halten. Das ganze nennt sich übrigens in Fachkreisen “Heroldsbilder”.

Farbgebung: 

Farben sollen nicht auf Farben folgen, Metalle nicht auf Metalle !

Wie oben schon beschrieben will man eine Erkennbarkeit der Teilung erzielen. Am besten geht das mit dieser einfachen Regel. Es gibt zwar Ausnahmen die diese Vorschrift mißachten, es sollte aber nicht die Regel sein ! ( Fahne des Papstes ist z.B. Gold / Silber - hier spricht man übrigens nicht von gelb und weiß !) Wer diese Fahnen im Sommer schon mal bei Sonnenschein gesehen hat weiß das die Trennlinie kaum Sichtbar ist.

Hier eine Aufstellung der Heraldischen Farben und Metalle:

Folgende Möglichkeiten zur Colorierung gab es damals wie heute :
Farben :
-Rot
-Blau
-Schwarz
-Grün
-Purpur
-Hermelin

Metalle :
-Silber (wird Weiss dargestellt)
- Gold (wird Gelb dargestellt)

Da es eine Vielzahl von Rittern gab kann man sich leicht vorstellen das die Anzahl der Möglichkeiten stark begrenzt war. Somit wurden weitere Unterscheidungs- merkmale nötig. Dies führt uns dann zu den Symbolen.

 

Die Symbole :

Eine Grundregel ist, das man keine kleinen und verspielte Symbole verwendet. Es wird immer Stilisiert. Eine Mühle wird nicht als Mühle dargestellt sondern als Mühlrad oder Mühlstein. Ebenfalls werden keine Schattierungen verwendet.
Übrigens ist in der Heraldik die Farbe oder das Metall welches man für für das Symbol wählt nicht vorgeschrieben. Ein grüner Löwe ist ebenso möglich wie ein blauer Turm.
Die Größe der Symbole sollte an das Schild angepasst, also immer möglichst Flächen füllend sein. Zu kleine Symbole bezeichnet der Heraldiker als “Fliegend” -> schlechte Heraldik. Die Größe für Symbole ist ebenfalls nicht real umzusetzen - ein Fisch kann auf einem Schild mit einer Burg sein - beide Symbole können gleich groß dargestellt sein.
Des weiteren sollte man sich für die Zeit passend ein Symbol heraussuchen. Hier sind eine Vielzahl von Möglichkeiten gegeben. In der Anfangszeit der Heraldik wurden gerne Symbole aus der Tier- oder Pflanzenwelt gewählt. Ebenfalls beliebt - Markantes aus der Umgebung (z.B. ein bekannter Turm oder ähnliches)
Eher unüblich waren hierzulande Drachen und Schlangen da dies immer dem Teufel in Verbindung gebracht wurden ( und wer wollte schon mit dem Satan im Bunde stehen...)

Das bekannteste Symbol und auch das am häufigsten Verwendete ist der Löwe. Folglich sollte man diesen nicht wählen - denn als Ritter wollte man sich von der Masse abheben. Das ging soweit das der Löwe in fortgeschrittener Zeit dermaßen an Wertigkeit verloren hatte er dazu verwendet wurde, ihn dem zu geben, der im Moment kein Wappen führte!

“Wer kein Wappen hat wähle den Löwen...” oder im Originaltext
“qui n'a pas de blason, porte un lion”

Pers. Anmerkung :Ich würde also eher abraten einen solchen zu wählen
Hier 2 Beispiele für die Stilisierung und Farbgebung.
Die Rose:
Es wird z.B. keine “echte” Rose aufgemalt sondern ein gut erkennbares Symbol :

Rose rot blau -> schlecht : Farbe auf Farbe

Rose rot weiss -> gut : Farbe auf Metall

Hier kann man schon erkennen das Farbe auf Farbe nicht gut ist.
Die rote Rose ist auf Silber wesentlich besser erkennbar
Dies gilt für die Schild Grundfarben ebenso wie für die Symbole
Bsp.: ein schwarz-silberner Schild ist ok. Rot - grün ist schlecht gewählt !

Sollte die Auswahl getroffen sein sollte man das Wappen “Prüfen”.
Wappen die schon vorhanden sind dürfen NICHT! geführt werden.
Ebenfalls dürfen keine Landeswappen geführt werden.

Damit ist übrigens nicht zu Spaßen : Es gilt hier Analog §12 BGB

Weitere Anmerkung zur Schildgleichheit:
hier zählt nicht die Ausführung sondern das Symbol an sich!
Ein Beispiel : In rot ein silberner Schlüssel (Bremen) selbst wenn man nun den Schlüssel als “modernen Sicherheitsschüssel” darstellen würde, bleibt dies das Wappen von Bremen und darf nicht verwendet werden.

Der Trick : Man verleiche das Symbol eines bekannten Bierherstellers in dessen Werbungen oft Segelschiffe vorkommen mit dem Bremer Wappen.
Was fällt auf ? Jep - es ist in Rot ein silberner Schlüssel - aber gedreht!
Korrekt würde man dieses Wappen wie folgt beschreiben: “In rot ein nach links zeigender silberner Schlüssel”
Kurze Erklärung: Im Bremer Wappen zeigt der Schlüssel nach “Heraldisch rechts” ( was für uns eigentlich links ist -> s. weiter unten* ) was nicht angegeben werden muß. Der Bierbrauer hat den Schlüssel gedreht was unbedingt angegeben werden muß und somit ist das Wappen ein anderes :o)

Diese Symbole nennen sich in der Fachsprache “gemeine Figuren” - eben weil diese -all-gemein Verständlich sind.
* ! ”Heraldisch links” ist für uns rechts, “Heraldisch rechts” für uns links
Das kommt daher das man es aus der Sicht des Trägers aus beschreibt. !

 

Wappenerstellung für´s Mittelalter
anhand des von mir geführten Wappens erklärt

Mein MA Wappen hat sich einige mal geändert. Die jetztige Form ist denke ich recht gut gelungen und eignet sich als Beispiel ganz gut.

Die Anfänge:
1 Fassung:
schwarz silber geviert, mit einem Sandwagen und dem Trochtelfinger Kreuz -> Heraldisch absolut grausam :o)
Erklärung: schwarz silber geviert in Anlehnung an die Zoller. Geht gar nicht denn wir stellen 1210 dar. Zu dieser Zeit waren die Hohenberger  für Truchtolfingen zuständig (falsche Farben). Sandwagen - noch schlimmer - Sand als Anspielung auf den Namen Sander. Sand lässt sich überhaupt nicht darstellen, Ihn auf einen Wagen zu packen macht es nochmals schlechter, denn man soll ja stilisieren! 

2. Fassung:
In der zwischen Zeit habe ich herausgefunden das auch mein Vornahme für´s Mittelalter gänzlich ungeeignet ist. Karsten kommt von Christian (Christus) Den Namen des Herren auszusprechen oder sogar sich selbst so zu nennen - völlig undenkbar. Also wurde aus Karsten von Truchtolfingen erstmals Vulfric von Truchtolfingen. Vulfric bedeutet Vulf = wolf und -ric = Herr also Herr der Wölfe. Dies ist durchaus positiv zu sehen der der Wolf ist ein starkes inteligentes Rudeltier. Das Wappen war folglich : schwarz silber geviert ( Hohenberg mir zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht bekannt) mir einem roten Wolf und dem Trochtelfinger Kreuz - Heraldisch wesentlich besser aber immer noch die falschen Farben.

Vulf Forum

3. Fassung:
nun entdeckten wir den Hohenberger ( von Rot und Silber geteilt ) den ich so übernommen habe als Anspielung auf meinen Lehnsherren unter dessen Farben ich kämpfe. Hinzugefügt habe ich den roten Wolf ( rot kommt ja schon vor und ist somit eine elegante Lösung ) auf silber
Heraldisch : gut gelungen - denn einfach gehalten mit ausdrucksvoller Symbolik
Blasoniert würde das wie folgt lauten:

Von Silber und Rot geteilt, (oben) ein rot bewährter und bezungter Wolf -

Vulfric  Hohenberg ohne Trochtelfingen ws

Vulfric von Truchtolfingen, Truchsess von Hohenberg

 

Ein Kapitel für sich - Das Familienwappen

Unser Familienwappen wurde erst nach unzähligen ( aus jetziger Sicht unerlässlichen ) Änderungen eingetragen. Hierbei gilt es noch wesentlich mehr zu berücksichtigen als bei einem Fantasie Wappen für´s MA.

Daher nur das Endergebnis welches so auch beim Deutschen Herold in Berlin eingetragen worden ist:

 
Die Schildfarben sind aus dem Heindener Wappen entliehen. Dort ist unsere Familie z.Zt. bis 1680 zurück verfolgbar. Die drei Lindenbäume stammen ebenfalls aus diesem Wappen um das ganze nochmals zu verdeutlichen. Die drei Weberschiffchen weisen darauf hin das es in unserer Familie mehrere “Leineweber” gegeben hat. Stechhelm ist die Wahl für ein Bürgerliches Familienwappen. Der Drachen auf dem Helm ist meinem Vater Siegfried gewidmet. Eine passende Figur würde ich sagen.

Blasoniert:
Von silber und rot geteilt, oben drei bewurzelte grüne Lindenbäume nebeneinander; unten drei silberne im gestürzten Dreipass gestellte Weberschiffchen.
Auf dem Helm mit rechts grün-silberner, links rot-silberner Helm Decke, darüber ein silber bewährter und gezungter roter Drache.
Devise : Stabilis et fidelis


ohne SchattenWappen Sander Farbe

Familienwappen der Familie Sander
DWR 11302/10 © Sander 2010

Solltet Ihr fragen zum Wappen haben stellt sie einfach - ich werde versuchen alles nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten - oder zu helfen wo ich kann.

Man sieht es ist eben nicht ganz einfach ein Wappen zu erstellen

Zu mir : Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Heraldik. Um mein Wissen nochmals zu vertiefen beschloss ich an einem Seminar des Herolds zu Berlin anbot, teilzunehmen. Im Oktober 2011 war es dann soweit. Das Seminar dauerte 4 Tage und endete am 5 Tag mit einer 3 stündigen Abschlußprüfung zu verschiedenen Fachthemen. Ich schloß die äußerst interessante Woche, in welcher ich viele größen der Heraldikwelt traf, mit der Prüfung zum “zertifizierten Heraldiker” ab.

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